Manuel Pilles (6D) studiert Technische Mathematik
Mittwochnachmittag, Technische Universität Wien. Im Übungsraum sitzen Erstsemestrige, vor ihnen Matrizen, Vektorräume und Beweise. Einer von ihnen geht eigentlich noch in die 6D des Gymnasiums Neusiedl am See: Manuel Pilles. Seit Oktober absolviert er im Rahmen eines Schülerstudiums Lehrveranstaltungen des Bachelorstudiums Technische Mathematik.
Ermöglicht wird Manuel dies durch das Programm „Young Science – Schülerinnen und Schüler an die Hochschulen“ des OeAD (Agentur für Bildung und Internationalisierung). Auf diese Weise erhielt Manuel die Zulassung als außerordentlicher Student an der TU Wien. Der Weg dorthin führte über die Hochbegabtendiagnostik an unserer Schule, die von Prof. Michaela Rabel-Knöbl geleitet wird. Ziel dieser Diagnostik ist es, besondere Begabungen zu erkennen und Schüler:innen gezielt dabei zu unterstützen, ihr Potenzial zu entfalten. Bei Manuel heißt dieser Weg: Universitätsmathematik schon während der Schulzeit.
Echte Uni-Mathematik, keine Schonfrist
Manuel besucht zwei Lehrveranstaltungen aus dem ersten Semester. Die erste ist „Einführung ins Mathematische Arbeiten“. Hier geht es um logisches Schließen, Relationen, Funktionen und algebraische Strukturen. Diese Lehrveranstaltung ist Voraussetzung für die zweite, das Herzstück seines Schülerstudiums: „Lineare Algebra und Geometrie 1“, bestehend aus einer Vorlesung und einer Übung. Hier stehen unter anderem Matrizenrechnung, lineare Gleichungssysteme, Determinanten, Eigenwerte und die Jordan-Normalform auf dem Programm. Das ist Stoff, an dem auch reguläre Studierende ordentlich zu knabbern haben.
Alle Lehrveranstaltungen, die Manuel positiv abschließt, werden ihm bei einem späteren Studium angerechnet. Das gilt für die Studienrichtungen Technische Mathematik, Finanz- und Versicherungsmathematik sowie Statistik und Wirtschaftsmathematik. Eines dieser Studien möchte Manuel nach der Matura beginnen.

21 Stunden Mathematik pro Woche
Der Aufwand ist beachtlich. Da die Vorlesungen vormittags und damit während der Schulzeit stattfinden, muss Manuel den Stoff selbstständig erarbeiten. Dafür benötigt er etwa fünf Stunden pro Woche. Hinzu kommen jede Woche acht Aufgaben für die verpflichtende Übung am Mittwochnachmittag, deren Bearbeitung rund 16 Stunden in Anspruch nimmt. Beurteilt wird streng: Bei den Aufgaben, bei wöchentlichen Quizfragen zum Vorlesungsstoff und bei regelmäßigen Präsentationen an der Tafel muss er jeweils mindestens 66 Prozent erreichen. Am Ende warten zusätzlich eine schriftliche und eine mündliche Prüfung.
Vorbereitet hat sich Manuel schon im vergangenen Schuljahr. Fachlich begleitet wird er von Prof. Thomas Haider, der ihm auch während seines Schülerstudiums zur Seite steht. Manuels Eltern unterstützen ihn bei der Organisation und sorgen unter anderem dafür, dass er pünktlich zu seinen Lehrveranstaltungen nach Wien kommt.
Herausfordernd und genau richtig
Fragt man Manuel, wie es ihm mit dem Schülerstudium geht, beschreibt er zwei Seiten seiner Erfahrungen: Es ist anstrengend, aber aufregend zugleich. Momentan ist er sehr motiviert und vor allem wissbegierig. Das treibt ihn an. Die Mathematik macht ihm einfach Freude, und er ist dankbar für die Chance, die sich ihm bietet.
Wir sind stolz auf Manuel und wünschen ihm für sein erstes Semester an der TU Wien viel Erfolg, Durchhaltevermögen und weiterhin große Freude an der Mathematik!
RAM / HUB

