Projekttage an einem bewegenden historischen Ort: Besuch der Gedenkstätten in Auschwitz-Birkenau

Von 19. bis 22. Oktober 2025 fanden die Projekttage der Wahlpflichtfachgruppe „Geschichte – Lernen an historischen Orten“ in Polen statt. Gemeinsam besuchte man auf dieser besonderen Reise das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau – eine Erfahrung, die nachhaltig beeindruckte. Begleitet von Wahlpflichtfachleiter und Organisator Prof. Herbert Brettl sowie von Geschichtelehrerin Prof. Bettina Dikovich machten sich die 27 Schüler:innen aus den 7. und 8. Klassen am Sonntagmorgen mit einem Reisebus auf den Weg nach Polen.

Nach einer kurzen Rast in Tschechien nahe Brno (Brünn) erreichte die Reisegruppe am frühen Nachmittag die bekannte südpolnische Stadt Kraków (Krakau). Im Rahmen einer kurzen Stadtführung besichtigten die Teilnehmer:innen einige der bekanntesten Sehenswürdigkeiten des mittelalterlichen Stadtkerns. Besonderes Interesse galt dem jüdischen Viertel Kazimierz.

Nach der ersten Nacht in der Unterkunft in Oświęcim (Auschwitz) stand am Montagvormittag der Besuch des ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz I auf dem Programm. Die Mitarbeiterin Elżbieta, die über das Gelände und durch die Räumlichkeiten führte, vermittelte die aufwühlende Geschichte des Ortes mit viel Einfühlungsvermögen und Sachkenntnis. Die Schüler:innen erhielten dabei einen unmittelbaren Eindruck von den Verbrechen des Nationalsozialismus, die hier ihren grausamen Ausdruck fanden. Abstraktes Wissen wandelt sich in Erfahrung, wenn man als Besucher:in die ausgestellten letzten Hinterlassenschaften der Opfer – ihre Schuhe, Brillen und Koffer – betrachtet.

Nach diesem intensiven Start besuchten die Schüler:innen am Nachmittag den Workshop „History captured in artifacts“, ein Programm des Gedenkstättenmuseums Auschwitz, bei dem Artefakte aus dem ehemaligen Konzentrationslager anhand von Fotos analysiert werden. Die Auseinandersetzung mit persönlichen Gegenständen von Lagerinsassen vermittelte den Teilnehmer:innen der Wahlpflichtfachgruppe neue Einblicke in die Geschichte des Konzentrations- und Vernichtungslagers, denn jedes einzelne Objekt ist mit einem individuellen Schicksal verbunden.

Beim gemeinsamen Abendessen suchten die Teilnehmer:innen Entspannung nach dem ereignisreichen Tag.

Am nächsten Tag folgte die Besichtigung der Gedenkstätte Auschwitz II-Birkenau. Begleitet wurde die Gruppe wieder von der Museumsmitarbeiterin Elżbieta. Der Anblick des weitläufigen Geländes in der herbstlichen Atmosphäre machte die Geschichte des Ortes besonders eindringlich erfahrbar. Vor allem die Größe des ehemaligen Konzentrationslagers hinterließ bei den Teilnehmer:innen bleibenden Eindruck und veranschaulichte das Ausmaß des Holocaust. Berührend war der Gang durch die Baracken, beklemmend die Enge der Zellen – das eigene Betreten dieser Räume verleiht dem, was man im Unterricht gelernt hat, noch mehr Bedeutung.

Ein Teil der Führung in Auschwitz-Birkenau war auch der Besuch der österreichischen Länderausstellung „Entfernung. Österreich und Auschwitz“ in Block 17, welcher sich im ehemaligen „Stammlager“ befindet.

Im Rahmen der Projekttage erhielten die Schüler:innen von Prof. Brettl die Aufgabe, zu einem zuvor recherchierten Bereich ein Reel mit wichtigen Fakten zu erstellen. Jene Teilnehmer:innen, die ein Thema im Zusammenhang mit Auschwitz-Birkenau behandelten, konnten an diesem Dienstag ihre Beiträge drehen.

Um auch der zweiten Gruppe die Möglichkeit zu geben, ihre kurzen Videobeiträge vor Ort aufzunehmen, bemühten sich die Teilnehmer:innen am Mittwochmorgen um den nochmaligen Zutritt zur Gedenkstätte Auschwitz I – aufgrund des großen Besucher:innen-Interesses leider vergeblich. So brach man schließlich mit dem Vorhaben, die Reels zu einem späteren Zeitpunkt in der Schule zu erstellen, Richtung Heimat auf.

Auf der Rückreise gab es einen Zwischenstopp in der tschechischen Stadt Olomouc (Olmütz). Beim Stadtprogramm war der Besuch der berühmten Olmützer Kunstuhr aus dem 15. Jahrhundert, die Teil des schönen Rathauses ist, natürlich ein Muss, ebenso wie das darauffolgende gemeinsame Mittagessen.

Nach dreieinhalb intensiven, lehrreichen Tagen kehrte die Geschichte-Reisegruppe um 17 Uhr nach Neusiedl am See zurück.

Für diese besondere Reise ergeht großer Dank an Prof. Brettl und Prof. Dikovich. Dass die Schüler:innen diesen beispiellosen Teil der europäischen Geschichte nicht nur als Unterrichtsstoff, sondern als realen Ort menschlichen Leidens und moralischer Verantwortung erleben konnten, ist ihrem Engagement zu verdanken.

Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau bot den Teilnehmer:innen auch die Möglichkeit, sich aktiv mit Erinnerungskultur auseinanderzusetzen. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und dem Ende des NS-Regimes bedarf es viel Einsatz, die Erinnerung wachzuhalten und das Wissen an die nächsten Generationen weiterzugeben.

HUB / Schülerinnen der Wahlpflichtfachgruppe