Der Simon-Goldberger-Wettbewerb regt zu einer vertiefenden Auseinandersetzung mit der NS-Geschichte an

In einer Zeit, in der sowohl nationalsozialistisches Gedankengut als auch Vorurteile und Antisemitismus wieder vermehrt auftreten, ist es umso wichtiger, sich mit der Geschichte des Nationalsozialismus und der Judenverfolgung auseinanderzusetzen.

Leider ist die Zeit im Geschichte- oder Religionsunterricht sehr begrenzt und eine tiefergehende Aufarbeitung dieses Themas kommt in der Schule oft zu kurz. Der Simon-Goldberger-Wettbewerb ermutigt daher Lehrende und Schüler:innen dazu, Projekte zu entwickeln, die das Wissen über die jüdische Kultur und Geschichte erweitern, der Opfer des NS-Terrors gedenken oder sich aktiv mit gegenwärtigen Formen von Intoleranz in unserer Gesellschaft auseinandersetzen. Der Namengeber dieses Wettbewerbs, Simon Goldberger, war der letzte Rabbiner der Synagoge in Kobersdorf und wurde 1938 zusammen mit seiner Familie aus dem Burgenland vertrieben und später Opfer des Holocausts in Auschwitz.

Mit dem Ziel, an diesem Wettbewerb teilzunehmen, widmete sich die Klasse 4B einen Monat lang intensiv der Auseinandersetzung mit dem NS-Terror und dem Kampf einzelner Kinder gegen Diskriminierung und Entrechtung. In dieser Zeit erarbeiteten die Schüler:innen im Rahmen des Geschichte-, Deutsch- und Kunstunterrichts, betreut von Prof. Elisabeth Ladich und Prof. Sophie Kugler, das Projekt „Kinder gegen des NS-Terror“.

Als Ausgangspunkt dienten die Episoden des Films „Der Krieg und wir“, der das Leben unterschiedlicher Kinder während der NS-Zeit darstellt: Man erfährt darin von Justus, der sich gegen die Indoktrination im Volkssturm wehrt, von Fritjof, der sich weigert, deutsche Besatzer mit Lebensmitteln zu unterstützen, und von Vera, die vor dem Kriegsgeschehen flieht. Ein weiterer Junge, Anton, entwickelt Mitgefühl für seine diskriminierte jüdische Freundin, Romek findet nach seiner Flucht aus dem Ghetto Unterstützung bei Bekannten, Sandrine versteckt Verfolgte und Eva kann durch die Hilfe eines Freundes das KZ überleben.

Da in den Kurzfilmen viele Fachbegriffe vorkommen, war es für die Schüler:innen der 4B für ein besseres Verständnis zunächst wichtig, Hintergrundinformationen zu sammeln. Diese fassten die Schüler:innen auf PowerPoint-Folien zusammen, die sie per QR-Code mit erklärenden, selbstaufgenommenen Sprechtexten verlinkten. Im Deutschunterricht verfasste anschließend jede Gruppe einen Brief aus der Sicht ihrer filmischen Hauptperson und im Kunstunterricht wurden die berührendsten Szenen aus den Filmen bildnerisch dargestellt. Mit selbst gebastelten Flaggen wollten die Schüler:innen zeigen, wo sich das Leben ihrer Hauptfigur abspielte.

Bei einer Exkursion in die Synagoge der Israelitischen Kultusgemeinde Wien konnten die Jugendlichen außerdem einen praktischen Einblick in das Leben der jüdischen Bevölkerung gewinnen und Antworten auf ihre Fragen zur Judenverfolgung in Wien finden.

Alle Materialien wurden schließlich auf zwei Pinnwänden in der Aula präsentiert, um so das erworbene Wissen auch mit anderen Schüler:innen teilen zu können.

Jetzt müssen nur noch alle Unterlagen für den Wettbewerb eingereicht werden. Dabei ist es gar nicht wichtig, ob das Projekt „Kinder gegen NS-Terror“ ausgezeichnet wird. Denn die Schüler:innen der 4B und die beiden Lehrpersonen, die das Projekt begleitet haben, sehen sich bereits jetzt als Gewinner:innen: Es konnten viele neue Einblicke in ein wichtiges und leider immer noch aktuelles Thema gewonnen werden. Zudem übten sich die Schüler:innen in Teamarbeit und Hilfsbereitschaft, der Klassenzusammenhalt wurde durch die Zusammenarbeit gestärkt, Vorurteile konnten abgebaut und Kontakte zu jüdischen Mitbürger:innen geknüpft werden.

In diesem Sinne kann jeder Klasse die Teilnahme am Simon-Goldberger-Wettbewerb nur empfohlen werden!